Noch hat der Winter Deutschland fest im Griff. Doch wenige Flugstunden entfernt sprießen bereits die ersten Knospen: Wo jetzt schon Frühling ist.

Noch machen sie sich rar: Mallorcas Besucher. Dabei ist Europas Ferieninsel Nummer eins jetzt besonders attraktiv: Von den Mandelplantagen im Südosten bis nach Deià im Westen, vom nördlichen Pollença bis zur Hauptstadt Palma – überall blühen die Mandelbäume und hüllen die Insel in ein zauberhaftes rosa Kleid.

Auch für Aktivurlauber ist jetzt die beste Zeit. Noch klettert das Thermometer nicht über die 16-Grad-Marke, weshalb Hobbysportler mit schweißtreibendem Anspruch besonders auf ihre Kosten kommen – wie etwa Radler. Wer im Vorfrühling auf den breiten Landstraßen in der Llanura del Centro oder den kurvigen Gebirgsstraßen in der Serra di Tramuntana in die Pedale tritt, muss wenig bremsen – es herrscht kaum Verkehr.

Der Charme der Vorsaison macht sich derzeit auch an der Algarve breit – und ein besonderes Farbenspiel dazu. Fast unwirklich glitzert an der Küste der helle Sand in der so strahlenden Winter-Sonne: Als feiner Kontrast zum tiefblauen Meer und den granitgrauen, von braunen Streifen durchzogenen Felsen – bei Temperaturen von bald 20 Grad.

Auch im Hinterland zeigt sich der Frühling in voller Kraft: Überall blühen zwischen dem Monchique-Gebirge im Westen und Moncarapacho im Osten dichte Felder von weißen, gelben und rosa Zistrosen, die Mandelbäume zeigen Millionen weiße und rosa Blüten – und der Lavendel seine ganze lilablaue Pracht.

Nicht als Blumen, wohin man auch schaut, auf Madeira: Dort herrscht farblich geradezu der Ausnahmezustand. Blaue und weiße Hyazinthen blühen bei Lufttemperaturen von 19 Grad um die Wette, prächtige Agaven und überdimensionale rote Christsterne säumen die Straßen – und überall dazwischen verschiedene Arten von Bougainvillea, Hibiskus und Flamingo-Blumen. Selbst Baden kann man jetzt schon: Das Wasser des Atlantiks misst an der Küste bis zu 18 Grad. Kenner gehen jetzt aber wandern – entlang der wunderschönen Levadas, alten Bewässerungsgräben mit einer Gesamtlänge von mehr als 2000 Kilometern.

Als Winterziel Nummer eins der ersten Wochen gelten die Kanaren: Die Pools der Hotels brauchen bereits aufgeklappte Sonnenschirme – und das Meer lädt mit 19 Grad sogar schon zum Baden. Natürlich schnüren sich jetzt viele Touristen auch die Wanderstiefel: 146 Naturschutzgebiete warten auf dem Archipel. Während sich die Wanderreviere von Teneriffa oder La Gomera bereits bei Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke erkunden lassen, muss man auf bergigen Inseln wie Gran Canaria oder Lanzarote allerdings mit Klima-Schwankungen rechnen.

Bereits viel zu tun haben auch die Kellner der Straßencafés von Belek oder Side: Wer einmal sitzt, steht so schnell nicht wieder auf. Derzeit herrschen Temperaturen von bis zu 18 Grad, und selbst das Wasser im Meer hat schon 16 Grad. Nicht nur die Golfer auf den vielen Top-Plätzen schätzen das feine Klima im Februar und März – auch wer die zahlreichen sehenswerten antiken Stätten wie etwa Ephesus und Perge besucht, bleibt von Schweißausbrüchen noch verschont.

Schön die Stimmung im Februar auch auf Sizilien, wo – noch bis zum 16. März – im weltberühmten Agrigent das Mandelblütenfest steigt: Millionen von Blüten rund um die gut erhaltenen griechischen Tempel verleihen der antiken Ruinenstadt, seit 1997 Weltkulturerbe, dabei einen ganz besonderen Glanz.

Bis zu 19 Grad steigt das Thermometer tagsüber bereits, allerdings schlägt das Wetter um diese Jahreszeit gerne Kapriolen. Schon Johann Wolfgang von Goethe berichtete von einem „gewaltsamen Morgenwind“. Der Hut, notierte der Dichterfürst bei seiner Wanderung im Frühjahr 1787 hoch zum Ätna, „war jeden Augenblick in Gefahr, in den Krater getrieben zu werden – und ich hintendrein.“