Bald ist es wieder so weit: Narren bringen ihre Kamelle-Kanonen in Stellung. Und Funky Marys toben durch die Straßen – aber nicht nur in Köln oder Düsseldorf. Auch in vielen beliebten Reisezielen gibt es eine fünfte Jahreszeit.

Was für ein Spektakel: 1,3 Millionen Menschen sind dabei, wenn am Rosenmontag in Köln „d´r Zoch kütt“ – und von den rund 120 Festwagen, die im Schritttempo über die sechs Kilometer lange Strecke rollen, mehr als 150 Tonnen Kamelle regnen. Bitte beim „Bützen“ aber nicht „Helau“ schreien oder am Wegesrand ein Alt ordern – beides gehört zum Karneval in Düsseldorf und ist in der Domstadt verpönt.

Der heißt in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen „fünfte Jahreszeit“ – und wird vom „Hoppeditz“ seit jeher am 11.11. um 11.11 Uhr zum Leben erweckt. Am Aschermittwoch haucht der Erzschelm dann sein Lebens aus, unter großem Wehklagen im Düsseldorfer Stadtmuseum – und nach einem äußerst anstrengenden Rosenmontagsumzug mit mehr als 60 Wagen, vom Fernsehen stundenlang in bunten Bildern festgehalten.

Karneval

Viel Tradition hat auch die „Meenzer Fassenacht“: Bereits im 13. Jahrhundert schlüpften die Bürger von Mainz in farbenfrohe Kostüme – und machten sich über die Herrschenden lustig. Der heutige Straßenkarneval hat seinen Höhenpunkt ebenso am Rosenmontag: Mehr als 100 Wagen von 23 Karnevalsvereinen und 25 Garden sind unterwegs – und mehr als eine halbe Million Menschen entlang der sieben Kilometer langen Strecke auf den Beinen.

Doch nicht nur in Deutschland gibt eine fünfte Jahreszeit. Auch in vielen beliebten Reisezielen wird sie gefeiert. Auf Teneriffa etwa knallt der Startschuss bereits am 12. Februar. Dann wird in der Inselhauptstadt Santa Cruz die Kinderkönigin des Karnevals gewählt, zehn Tage später greift dann die wahre Regentin der tollen Tage ein. Höhepunkt ist der 28. Februar: Dann steigt der große Karnevalsumzug.

Viel Spaß macht auch der Laufwettbewerb Mascarita Ponte Tacón in Puerto de la Cruz am 3. März: Beim Tunten-Lauf bewältigen Männer in Frauenkleidern auf Stöckelschuhen mit zwölf Zentimeter hohen Absätzen einen Hindernisparcours – sehr zur Freude der Zuschauer.

Längst ein Touristenmagnet ist auch der Karneval von Rijeka. Zwar feiert die kroatische Adriastadt erst seit 34 Jahren Fasching – doch mittlerweile verfolgen mehr als 120 000 Zuschauern gut gelaunt das närrische Treiben der verkleideten Karnevalsgruppen bei angenehmen Temperaturen. Mehr als 10 000 Aktive in rund 150 Gruppen tanzen hinter den 80 Wagen durch die Straßen der Altstadt – am 26. Februar.

Karneval Venedig
Karneval Venedig

In Venedig beginnt der Karneval – es ist die 730. Auflage – am 18. Februar um 12.00 Uhr: Dann schwebt ein Engel zu Life-Musik und Konfettiregen vom Markusturm zum Dogenpalast herab. Der Ausnahmezustand der Lagunenstadt dauert zehn Tage – sichtbar vor allem an zehntausenden von farbenprächtigen Narren-Masken.

Karneval von Rio de Janeiro

Weltweit nicht weniger bekannt ist der Karneval von Rio de Janeiro, der seit Mitte des 19. Jahrhundert die Menschen in Bann zieht. Heizten damals noch Polka und Walzer den Zuschauern ein, gibt seit 1917 der Samba den Takt vor: Was für die Zuschauer – mehr als eine Million sind in den Straßen der Stadt unterwegs – eine riesige Fiesta ist, gerät für die Teilnehmer zum Lohn eines harten Trainingsjahres. Ein Dutzend Sambaschulen paradieren am 26. und 27. Februar mit bis zu 30 000 Tänzern in fantasievollen Kostümen durch das eigens gebaute Sambódromo – und kämpfen um die Gunst der Juroren. Natürlich übertragen Fernsehanstalten das Spektakel landesweit – wie auch die Siegesfeier am Aschermittwoch.

Auch im Norden des amerikanischen Kontinents versteht man zu feiern: In allen Südstaaten kommt es zu Straßenumzügen mit viel Getöse – die spektakulärsten warten in New Orleans. In den zwei Wochen vor „Mardi Gras“ – der „fette Dienstag“ kommt aus dem Französischen und steht für den letzten Tag vor Beginn der österlichen Fastenzeit – finden in der Mississippi-Metropole an die 60 Umzüge statt. Zehntausende schlüpfen in Kostüme, und viele Festwagen prägen das Straßenbild – nur dass, anders als in Deutschland, von den aufwändigen Festwagen bunte Plastikketten statt Bonbons in die Menge fliegen.

Wer nach Faschingsdienstag immer noch Lust auf das närrische Treiben hat, muss übrigens nicht darben. In Basel beginnen die „drey schäänste Daag“ erst am Montagmorgen nach Aschermittwoch – um 4.00 Uhr in der Früh mit dem „Morgestraich“. Alle Lichter der Stadt verlöschen – und Tausende von Narren ziehen mit Tamburinen und Piccoloflöten durch die stockdunklen Straßen, um das größte Pfeifkonzert der Welt zu veranstalten. Die meisten Kneipen und Wirtschaften schließen dann 72 Stunden nicht mehr – erst am Donnerstag ist alles vorbei, um 4.00 Uhr morgens.