„Aus der U-Bahn kommend, ist es wahrscheinlich, dass jemand mit einem Messer auf dich zukommt. Am besten hast du immer ein paar Reales (1-2 Euro) in deiner Tasche, um sie demjenigen direkt vor die Füße zu werfen. Und dann musst du Rennen! Das ist aber ganz normal, dir passiert da nichts… sei nur wachsam.“

Das war der erste Kommentar von Bekannten zur Sicherheitslage in Rio und dazu, wie wir uns vor Ort verhalten sollten. Etwas beunruhigend, wenn du uns fragst.

Passiert ist uns im Endeffekt nichts, aber neben dem Tipp mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche haben wir definitiv noch ein paar Ergänzungen zu machen.

Kannst du dich wirklich unsichtbar machen und unauffällig in Rio bewegen?

Nein. Du wirst eindeutig auffallen. Zwar handelt es sich bei den Brasilianern um eine sehr facettenreiche Bevölkerung mit vielen Haar und Hauttypen und dementsprechend einer großen Vielfalt und dennoch werden sie sofort merken, dass du kein Local bist.

Trotzdem kannst du Dinge beachten: Trage am besten möglichst unauffällige Kleidung, keinen Schmuck und wenn eine Uhr wirklich sein muss, am besten eine dezente, die nicht wertvoll erscheint. Neben dem Schmuck ist es vor allem wichtig, dass du keine Wertgegenstände wie Handy und Kamera dauerhaft zur Show stellst. Am besten lässt du einfach alles im Hotel. Aber als Bilderliebhaber können wir natürlich bestens nachvollziehen, dass du auf deine Kamera nicht verzichten magst! Wir hatten sie auch immer dabei. Doch haben wir immer darauf geachtet, wo sie zum Einsatz gebracht wurde, uns kurz umgesehen und vergewissert, dass wir nicht beobachtet werde.

Wenn Einheimische um uns herum selbst mit ihrem Smartphone herumgespielt haben, fühlten wir uns auch ziemlich sicher. Generell ist es immer hilfreich zu gucken, was andere machen.

Geld und andere Wertgegenstände

Meine Empfehlung ist es, so wenig wie möglich unterwegs dabei zu haben. Wie bereits erwähnt sollten Handy und Kamera immer mit Sorgfalt genutzt werden, nie aber über einen längeren Zeitraum offen herumgetragen werden.

Wir empfehlen dir auch deine klassische Kameratasche zu Hause zu lassen und stattdessen einen unauffälligen Stoffbeutel zu nutzen. Diese kann dann einmal gedreht vorne seitlich am Körper getragen werden, sodass keiner so schnell reingreifen kann. Den Reisepass solltest du definitiv im Hotel lassen und dein Geld am Körper tragen.

Wir haben immer grob vorausgeplant, mit wie viel Geld wir am Tag auskommen würden und darüber hinaus eine wieder aufladbare Kreditkarte mit dabeigehabt. Das hat wunderbar funktioniert.

Wie kommst du von A nach B?

Auf verschiedenste Art und Weise kannst du dich in Rio fortbewegen. Die Distanzen sind sehr weit, weshalb es, abgesehen von der Sicherheit, wenig Sinn macht nur zu Fuß unterwegs zu sein. Erst einmal im richtigen Stadtteil angekommen, ist es aber natürlich sehr verlockend die Gegend auch zu Fuß zu erkunden und die Stadt hautnah zu bestaunen. Unser Tipp: Frag am besten vorher im Hotel oder Hostel nach, ob es sich bei dem Stadtteil um einen sicheren Ort handelt, an dem du frei herumlaufen kannst. Direkt an der Copacabana gelegen sowie in Ipanema haben wir uns vor allem tagsüber sehr sicher gefühlt, so auch in den Stadtteilen Lapa, Santa Teresa und Central.

Dasselbe gilt bei der Möglichkeit mit Mietfahrrädern durch die Stadt zu fahren. Diese findest du an jeder Ecke. Jedoch müssen diese per App über eine mobile Internetverbindung freigeschaltet werden, was uns leider an der Nutzung hinderte. Solltest du Internet zur Verfügung haben, ist es bestimmt einen Versuch wert.

Als weiter Verkehrsmittel stehen dir Bus, Metro und Taxi zur Verfügung. Das Busfahren erwies sich ohne gute Sprachkenntnisse als eher schwierig. Das System ist ohne Ortskenntnisse eher schwierig nachzuvollziehen, sodass wir tagsüber die Metro bevorzugt haben. Es gibt vor allem zwei Hauptlinien, die sich vom Süden in den Norden der Stadt erstrecken. Du kaufst dir direkt am Eingang dein Ticket (4,10 Reales) und musst dieses dann vor Betreten der U-Bahn Plattform einlösen. Dies hat dafür gesorgt, dass wir uns in der Bahn sicher gefühlt haben. Außerdem fuhren stets viele Menschen mit in der Bahn, was auch ein Zeichen für Sicherheit ist. An dieser Stelle möchte ich noch einmal an die zu Anfangs beschriebene Situation oben hinweisen: Eine große Gefahr scheint direkt bei den U-Bahn Ausgängen zu liegen. Hier besonders wachsam sein!

Und zu guter Letzt: Im Zweifelsfall solltest du einfach immer ein Taxi nehmen. Achte dabei darauf, dass es sich um lizenzierte Taxis handelt. Diese erkennst du daran, dass sie von außen erkenntlich einer Taxi Organisation angehören. Im Fahrerraum haben sie außerdem ein Taximeter sowie einen Aushang der Taxilizenz des Fahrers. Ein weiterer Tipp: Frag am besten vor Beginn der Fahrt nach einer groben Preiseinschätzung der Fahrt. Vielmehr solltest du dem Fahrer danach auch nicht zahlen. Hilfreich ist es auch neutrale Personen im Voraus nach einer Preiseinschätzung zu bitten.

Rio bei Nacht

Aufgrund von Erzählungen hatten wir ein etwas ungutes Gefühl im Dunkeln in Rio unterwegs zu sein. Da die Sonne allerdings bereits gegen sechs Uhr unterging, blieb uns keine andere Wahl, wir wollten schließlich was Erleben. In den meisten Fällen hat es sich eh so ergeben, dass wir bereits vor Sonnenuntergang an einem Ort waren, an dem wir dann auch länger bleiben wollten: ob nun an einer alten Ruine mit Live Musik, in einer Sambabar oder auf einem lokalen Mark. An einem Abend sind wir problemlos mit vielen weiteren Fahrgästen mit der Metro gefahren. In den anderen Fällen sind wir allerdings immer mit dem Taxi gefahren und würde es auch wieder so tun.

Am besten fragst du vorher im Restaurant oder wo auch immer du bist, ob es sicher ist von dort aus ein Taxi zu nehmen oder ob sie dir eins rufen können. Sofern du dich auskennst und dich in einer sicheren Gegend befindest, kannst du auch zu kurze Strecken zu Fuß zurücklegen. Aber selbst Locals empfehlen dies nur in Ausnahmen.

Die Hilfsbereitschaft der Locals

Trotz aller Warnungen möchte ich an dieser Stelle auf die liebenswerte Art der Brasilianer hinweisen. Wie bereits erwähnt, ist uns selbst nichts passiert und ich möchte meinen, dass dies neben unserer eigenen Vorsicht an der Hilfsbereitschaft der Locals liegt und daran, dass sie auch stets gegenseitig aufeinander achten. An einem Tag waren wir anstelle des Busses auf Rat des Hotels mit einem persönlichen Fahren unterwegs, der sich auf eine liebenswerte Art Sorgen um uns gemacht hat. Ein kurzes Beispiel: Er hat uns kurz aus dem Auto gelassen, damit wir in Ruhe Bilder von dem Maracanã Stadion machen können. Als wir zurückkamen, war er ganz aufgeregt und hat uns erklärt, dass wir viel zu unachtsam gewesen seien. Beim Fotografieren, kamen zwei Jungs auf einem Fahrrad relativ dicht an uns vorbeigefahren. Diese haben wir gar nicht beachtet, doch bietet sich genau eine solche Situation bestens für einen schnellen Diebstahl an. In diesem Fall hatten wir einfach mal Glück.

An einem anderen Tag setzten wir uns zu einer Verschnaufpause auf die Treppen einer Kirche im Stadtzentrum. Mit Straßenkarte auf dem Schoss wurden wir von einem Auto angehupt. Deren Fahrer wollte uns lediglich freundlich (aber bestimmt!) darauf hinweisen, dass wir doch bitte nicht so offensichtlich dort sitzen sollten. Immer in Bewegung bleiben war seine Devise!

Klar, es gibt einiges zu beachten in dieser Weltstadt und die Risiken sollten dir bewusst sein. Dennoch würden wir jeder Zeit wieder in das Land und die Stadt fliegen. Zwar hatten wir manchmal ein komisches Gefühl, doch je länger wir uns in der Stadt aufhielten, desto besser konnten wir Situationen einschätzen. Und ein Bauchgefühl kann ja bekanntlich auch nicht schaden.

Eine zauberhafte Stadt – immer wachsam genießen!

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