Chicago – Heimat von Al Capone, der Chicago Bulls und reich an Geschichte wie fast keine zweite Stadt in den Vereinigten Staaten. Auch wenn die Windy City noch immer etwas im Schatten des Big Apple New York City steht, hat die Metropole am Lake Michigan unheimlich viel zu bieten: Weltklasse Museen, Shopping von luxuriös bis hip, ein lebhaftes Nachtleben und eine Architektur, die sogar Kulturbanausen in Erstaunen versetzt. Wie in jeder Großstadt, fällt es aber auch in Chicago schwer, den Überblick zu behalten und die wahren Highlights für einen unvergesslichen Aufenthalt in der oft unterschätzen Metropole herauszupicken.

Wir waren vor Ort und haben uns in die Schluchten von glitzernden Wolkenkratzern und entlang aus der Zeit gefallener Nebenstraßen gewagt. Herausgekommen ist eine Liste, die bestimmt für jeden Besucher etwas bietet – Highlights, Must Sees und ein paar Geheimtipps.

The Art Institute of Chicago

Bildquelle: Philipp C. Dukatz

Das Art Institute ist eine der Top-Attraktionen Chicagos. Das Museum wurde 2014 auf Tripadvisor zum besten Museum der Welt gewählt und dies durchaus zu Recht. Das von zwei großen bronzenen Löwen bewachte Haus an der Michigan Avenue bietet Besuchern die größte Sammlung impressionistischer Kunst außerhalb von Paris. Zu entdecken gibt es Kunst und Kultur aus 5 Jahrtausenden, darunter Meisterwerke wie Edward Hoppers Nighthawks, Grant Woods American Gothic und Kunst von Monet über van Gogh bis Chagall. Für jeden ist hier etwas dabei wobei die geräumige Aufteilung Besuchern sehr schnell die Zeit vergessen lässt.

Es gibt hier so viel zu entdecken, dass man sich mindestens 3 Stunden Zeit für dieses Highlight nehmen sollte. Versuche deinen Besuch auf einen Wochentag (Montag – Donnerstag) und den frühen Nachmittag zu legen. Zu dieser Zeit sind finden sich die wenigstens Besucher im sonst sehr gut besuchten Museum. Der reguläre Eintrittspreis beträgt $25 für Erwachsene. Täglich um 12:00 Uhr gibt es kostenlose geführte Touren.

Chicago River Walk

Bildquelle: Philipp C. Dukatz

Mitten durch die Stadt, vorbei an den größten und eindrucksvollsten Wolkenkratzern, schlängelt sich der Chicago River. Entlang des Flusses, bis hinunter zum Lake Michigan, bietet der sogenannte Chicago River Walk ein weiteres Highlight für Chicago-Besucher. Diese elegante Flaniermeile führt entlang kleiner Restaurants und Cafés und unter die für Chicago so typischen Klappbrücken. Auf dem Weg flussabwärts entdeckt man so ikonische Bauwerke wie das Wrigley Building, den Tribune Tower, den Merchandise Mart oder den im Sommer beliebten Navy Pier. Die Perspektiven, die sich hier bieten, zählen wahrscheinlich zu den besten der ganzen Stadt – ein absolutes Highlight für jeden Foto-Enthusiasten. Wer den Chicago River noch intensiver erleben möchte, kann sich Kanus oder Kayaks ausleihen oder einfach eine Tour mit einer der zahlreichen Wassertaxis buchen.

Den besten Zugang zum Chicago River bekommt man an der Michigan Avenue Bridge, direkt am Wrigley Buidling. Dort hat man auch Gelegenheit, die erwähnten Kayaks und Kanus zu mieten. Am Navy Pier, dem östlichen Ende des Flusses, kann man sehr gut Bootstouren buchen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind von jedem Punkt entlang des Chicago River sehr gut zu erreichen.

Chicago bei Nacht entdecken

Bildquelle: Philipp C. Dukatz

Bereits faszinierend bei Tag, entfaltet die Windy City bei Nacht ihren ganz besonderen Charme. Wenn die City Lights angeschaltet werden, die Büros in den Wolkenkratzern ihr Licht in die Nacht werfen und die Leuchtreklamen die Straßen in ein helles rot und orange tauchen, dann zeigt die Stadt ihr zweites Gesicht. Modern, elegant und schick auf der einen Seite. Historisch, klassisch und melancholisch auf der anderen. Alles, was man sich bei Tag angeschaut hat, kann man genauso bei Nacht nochmals entdecken. Für ambitionierte Fotografen empfiehlt sich in jedem Fall ein Stativ mitzunehmen.

Highlights bei Nacht sind das Chicago Board of Trade, der River Walk, die Leuchtreklamen des Berghoff Restaurants und des Chicago Theaters, die Skulptur Cloud Gate im Millenium Park und das Kunstwerk „Flamingo“ auf dem Federal Plaza.

Chicago und Strand? Was erst einmal für Verwunderung sorgt, ist tatsächlich wahr. Chicago liegt direkt am Lake Michigan, einer der Great Lakes, und der Name ist hier wirklich Programm. Der See ist riesig und erscheint Besuchern auf den ersten Blick wie ein Meer. Dementsprechend bietet die Stadt auch mehrere Sandstrände, an denen sich die Chicago Locals im Sommer gern die Zeit vertreiben. Sonnen, Volleyballspielen oder einfach nur entspannen – und dies immer mit Blick auf die hochragende Skyline der Stadt. Der Kontrast kann eigentlich kaum größer sein und genau das macht das Ganze auch so reizvoll.

Der vielleicht beste Strand der Stadt ist der North Aveue Beach, gelegen an der gleichnamigen Straße. Neben einem Strandhaus in Form eines Kreuzfahrtschiffes, findet man hier Volleyballplätze, Verleihstationen für Fahrräder, Kayaks und sogar Jetskis. Zu erreichen ist der beliebte Stadtstrand am besten mit dem Bus 151.

Der Lakefront Trail

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Vorbei am North Avenue Beach und allen weiteren Stränden, direkt hinein in das Herz der Stadt, verläuft der sogenannten Lakefront Trail. Die asphaltierte Promenade führt Besucher idyllisch immer entlang des Lake Michigan – das blaue Wasser und der endlose Horizont auf der einen und satt grüne Parks und kleine Yachthäfen auf der anderen Seite. Geht man den Lakefront Trail von Norden nach Süden, hat man dabei die imposante Skyline der Stadt immer im Blick. Auch hier zieht der Kontrast von Natur, Idylle und dem sich nähernden urbanen Trubel der Metropole Entdecker in seinen Bann.

Am besten startet man den Spaziergang am Südende des Belmont Harbor und läuft dann gen Süden, immer auf die Stadt zu. Der Weg führt vorbei am North Avenue Beach und dann direkt auf die Magnificent Mile, der edlen Shopping Meile der Stadt. Wer noch weiter läuft, kommt zum Navy Pier und schließlich ans Planetarium, von wo man den vielleicht besten Sonnenuntergang der Stadt erleben kann.

Die berühmteste Jazz Bar der Stadt

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Jazzmusik gehört zu Chicago wie einst Al Capone. Dabei hatte der berühmt-berüchtigte Gangsterboss selbst eine große Leidenschaft für die seit den 20er Jahren so beliebten, swingenden Rhythmen. Hatte der Mafiosi mal wieder Lust auf Live-Musik, begab er sich ins Green Mill, eine der bis heute legendärsten Jazz Bars des ganzen Landes. Das Interieur der Green Mill Cocktail Lounge, wie sich das Etablissement heute so elegant nennt, strotzt nur so von Geschichte. Hier spielten die größten Legenden des Jazz und auch noch heute bietet das Traditionshaus jeden Abend Live-Musik – und das bis 4 Uhr morgens. Und auch Al Capones Stammtisch, mit Blick auf alle Ein- und Ausgänge für eine schnelle Flucht, ist nach wie vor erhalten.

Der Eintritt ins Green Mill schwankt zwischen 5 und 20 Dollar, je nachdem welche Künstler gerade auftreten. Es lohnt sich daher vorab auf die Webseite zu schauen. Tische können nicht reserviert werden. Von daher kann sich ein etwas früheres Erscheinen durchaus lohnen.

Die Einwohner Chicagos nehmen Sport sehr Ernst und eines der Highlights im Sommer sind die Baseballspiele der Chicago Cubs im traditionsreichen Wrigley Field Stadion. Auch wenn das Spiel für uns Europäer nicht ganz verständlich ist, ist ein Besuch der im Norden der Stadt gelegenen Kultstätte immer ein Erlebnis. Es ist ein Stück amerikanischer Kultur – ganz besonders im zweitältesten Baseball-Stadion des Landes. In der Nachmittagssonne auf der Tribüne zu sitzen, das Spiel, aber genauso gut die Locals beim Anfeuern ihres Teams zu verfolgen und dabei einen guten Hot Dog zu essen – authentischer geht es kaum.
Regelmäßiges Highlight eines Cubs-Games ist die siebte Runde, auch Inning genannt, wenn die Fans aufstehen und die allseits beliebte Baseball-Hymne „Take me to the Ballgame“ singen. Nach dem Spiel kann man sich dann in einer der unzähligen Bars und Restaurants im umliegenden Wrigleyville, einem der angesagtesten Viertel der Stadt, niederlassen und den Tag entspannt ausklingen lassen.

Während der Saison gibt es immer mehr als genug Spiele – Tickets vorab bestellen ist von daher selten nötig. Am besten kauft man die Tickets direkt am Schalter, kurz vor Spielbeginn. Auch vor dem Stadion selbst finden sich immer Leute, die ihre Karten „schwarz“ loswerden möchten. Hat das Spiel bereits begonnen, bekommt hier die wahrscheinlich günstigsten Ticketpreis.

Die Stadt per „L“ Train erkunden

Bildquelle: Philipp C. Dukatz

Das L (oder auch El) steht hier für Chicago Elevated Railroad, was so viel wie Chicago Hochbahn bedeutet. Dabei ist der Name etwas irreführend. Die Bahn verläuft nämlich nicht nur auf erhöhten Trassen, sondern auch ebenerdig und in Tunneln als U-Bahn. Mit der etwas in die Jahre gekommenen Bahn lässt sich auf einfachem und vor allem günstigem Wege die Innenstadt erkunden.
Fast alle Züge befahren den sogenannten Loop, einen Hochbahnring mitten im Zentrum der Stadt. Er verläuft als Ringlinie in etwa 8 Metern Höhe und schlängelt sich dabei auf teilweise hölzernen Trassen quer durch die Hochhausschluchten Chicagos. Die Bahn mit der besten Aussicht innerhalb des Loops ist die Brown Line, die ausschließlich oberirdisch verläuft.

Eine Einzelfahrt mit den L-Trains kostet $2,25. Für Besucher, die den L-Train regelmäßig nutzen wollen, empfehlen sich auch die Mehrtages-Pässe. Diese und auch die Einzeltickets erhält man an den Ticket-Automaten in den Bahnhöfen.

Der Willis Tower und das Sky Deck

Bildquelle: Skydeck Chicago at Willis Tower

Der Willis Tower, oder Sears Tower wie das zweithöchste Gebäude der USA einmal hieß, gehört zu den bekanntesten Attraktionen Chicagos. Erklimmt man die 110 Stockwerke des 443 hohen Wolkenratzers, bietet sich eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt und die Umgebung. An einem klaren Tag reicht die Sicht hier über 50 Kilometer bis hinüber in die Nachbarstaaten Indiana, Michigan, Iowa und Wisconsin. Die neueste Attraktion auf dem Dach der Stadt nennt sich „The Ledge“ und ist eine Art Glaskasten, angebracht an der Außenfassade des Towers. Wagemutige können sich hier hineinbegeben und die Stadt sprichwörtlich unter ihren Füßen haben.

Der Ticketpreis für Erwachsene beläuft sich auf $22, für Kinder und Jugendliche liegt er bei $14. Aber Achtung: die Wartezeiten für das Skydeck können mitunter ziemlich lang sein. Eine gute Stunde sollte man mindestens einplanen. Eine stressfreiere Alternative ist das John Hancock Building. Wer sich einen Drink im Signature Room auf der 95. Etage leistet, hat fast die gleiche Aussicht ohne die langen Wartezeiten.

Millennium Park

Bildquelle: Philipp C. Dukatz

Als Teil des großflächigen Grant Parks, ist der Millennium Park eigentlich ein Park im Park. Das grüne Refugium mitten im Zentrum, günstig gelegen an der Michigan Avenue, hat großen und kleinen Besuchern einiges zu bieten und ist offiziell nach dem Navy Pier die zweitgrößte Touristenattraktion der Stadt. Der Park, der auf dem alten Gelände eines Rangierbahnhofs gebaut wurde, beheimatet unter anderem den Jay Pritzker Pavillon, wo im Sommer regelmäßig gratis Konzerte und Festivals stattfinden. Ein weiteres Highlight, und mittlerweile das Wahrzeichen Chicagos, ist die überdimensionale Skulptur „Cloud Gate“ – eine silbernes Objekt, dessen eigensinnige Form ihr den Namen „The Bean“ – zu Deutsch die Bohne, eingebracht hat. In ihr spiegeln sich in faszinierender Weise die Skyline der Stadt, der Himmel und die Besucher gleichermaßen.

Im Sommer bietet die Crown Fountain ein feucht fröhliches Vergnügen für die Kleinen und eine Gelegenheit zum Abkühlen der heiß gelaufenen Fußsohlen für die Großen. Der Park ist einfach mit dem L-Train und Bussen zu erreichen und liegt in unmittelbarer Nähe von vielen anderen Attraktionen.

The Game Room

Bildquelle: Clayton Hauck – Land and Sea Dept., Chicago

Der Chicago Game Room ist der vielleicht größte Geheimtipp unserer Liste und sogar manchem Chicago Local nicht bekannt. Beherbergt im stilvollen Chicago Athletic Association Hotel, nur einen Steinwurf vom Millennium Park entfernt, befindet sich diese Spielwiese für Erwachsene. Der Games Room war in den goldenen Zeiten der 20er und 30er Jahre ein privater Herrenclub. Dort traf man sich auf eine gepflegte Runde Pool Billard, trank Bier und berichtete sich die Neuigkeiten der Stadt. Die Inneneinrichtung des Games Room versprüht auch heute noch dieses klassische Flair. Direkt nach dem Betreten fühlt man sich in die guten alten Zeiten zurückversetzt. Heute aber hat hier jedermann und jede Frau Zutritt. Als beliebte Afterwork-Institution findet man hier jede Menge Spiele, von Billard, über Shuffle Board, bis Kicker und einer 15 Meter langen Boccia-Bahn. Das Beste daran: Alles ist umsonst. Dazu gibt es gutes Essen und kühle Drinks – Ideal um einen anstrengenden Sightsseing-Tag ausklingen zu lassen.

Der Games Room befindet sich ebenfalls direkt an der Michigan Avenue und ist einfach mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Ist man schon einmal dort, sollte man unbedingt mit dem Fahrstuhl auf die oberste Etage fahren und von Cindy’s Rooftop Bar aus die einmalige Aussicht auf die Skyline und den Millennium Park genießen. Gerade bei Dämmerung ein absolutes Highlight.

Chicago Cultural Center

Bildquelle: Philipp C. Dukatz

Das Chicago Cultural Center ist ein Juwel im Herzen Chicagos. Im Inneren des Gebäudes, das sich über einen gesamten Straßenblock zieht, werden Besucher durch eine einzigartig pompöse Innenarchitektur überrascht. In der Melange aus Marmor, elegant geschwungenen Treppen und komplexen Mosaiken, sind die Highlights zwei riesige Kuppeln aus Buntglas, eine davon die größte der Welt. Dazu bietet das Center jeden Tag Filmvorführungen, Kunstausstellungen und Aufführungen – das ganze komplett kostenlos. Ebenfalls direkt an der Michigan Avenue gelegen, ist das Cultural Center eine Oase der Ruhe, in der sich auch ein kurzer Besuch lohnt.

Chicago hat so viel zu bieten, dass sich die Metropole aus unserer Sicht keineswegs hinter dem Big Apple verstecken muss. Ganz im Gegenteil, mit ihrem ganz eigenem Charme, viel Geschichte und einer Vielfältigkeit, die es so wohl kein zweites Mal in den USA gibt, sollte man sich die Windy City mindestens einmal im Leben angeschaut haben. Und zu sehen gibt es in jedem Fall mehr als genug.
Die beste Zeit für einen Besuch ist ab Mai bis September. Wenn die Temperaturen steigen, erwacht auch die Stadt nach einem oft harten Winter zu neuem Leben. Dies ist auch die Zeit der unzähligen Outdoor Festivals und Konzerte. Günstige Reisen und Hotels gibt es im Paket bereits ab ca. €800.

Weiterführende Links

The Art Institute of Chicago: http://www.artic.edu/
The Green Mill Cocktail Lounge: http://greenmilljazz.com/
Willis Tower & Sky Deck: http://theskydeck.com/
Chicago Games Room: http://www.lsdatcaa.com/game-room-chicago

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