Der letzte Tag – Efcharisto (danke), Hellas!

Tatsächlich geht meine Zeit auf Kreta schon wieder zu Ende. Gerade hätte ich mich daran gewöhnen können! Ich sitze noch mal lange beim Frühstück, grüße in Richtung Markus und seiner Familie, verjage die kleinen Katzen vom Tisch, und checke, ob ich nicht auf Instagram oder Twitter noch einen letzten Tipp reinbekommen habe.

Dann packe ich all mein Hab und Gut und checke aus. Yassas (tschüss), Irini Mare, war schön mit Dir! Ciao auch, Hajat, Du alte Berlinerin. Danke für die vielen Tipps und die vielen Kreise auf meiner Landkarte!

Kreta Tagebuch August 2015 - Kreta Platanos

Ausblick nahe Platanos

Ein paar dieser Kreise sind es nun, die mich von der Hauptstraße weg in die Berge lotsen. Und da fällt mir wieder ein, warum Hajat diese Kringel gemacht hat: Hübsche Bergdörfer! Und tatsächlich sieht schon das erste aus wie aus dem Bilderbuch. Steil fällt der Hang in Platanos in Richtung Meer ab, über den Oliven-Hainen lässt die Hitze die Luft flirren. Inmitten des Dorfes thront eine hübsche Kirche, am Rand der winzigen Straße voller Schlaglöcher sitzen die Dorfbewohner und harren der Dinge, die da kommen mögen. Mehrmals muss ich mich dazu zwingen, nach vorne zu blicken, um nicht auf den letzten Tag doch noch von der Straße abzukommen. An einem Schrottplatz bei Timbaki habe ich gesehen, dass das wohl durchaus öfter mal passiert. Keines der dort aufgestapelten Autos sah so aus, als hätte jemand diese Unfälle überlebt.

Über Knossos nach Heraklion

Langsam arbeite ich mich wieder ins Tal hinunter, was zwar ein ziemlicher Umweg ist, aber der einzige Weg, der mich zurück zum Laden der Familie Tsiknakis führt, an dem ich schon seit Tagen immer wieder vorbeifahre. Ich schlürfe einen starken Kaffee, dann tobe ich mich aus im vielfältigen Angebot kretischer Spezialitäten. Oliven, ganz und als Paste, Brotringe, eingelegte Paprika, Kekse und eine Art türkischer Honig, der hier jedoch vermutlich anders heisst. Meine Tüten voller Spezialitäten füllen genau die noch verbleibenden Lücken in meinem Rucksack.

Kreta Tagebuch August 2015 - Kreta Straße nach Heraklion

Rückweg nach Heraklion

Danach gilt es ein weiteres Mal, die Insel von Süden nach Norden zu durchqueren. Diesmal zieht sich die Strecke noch etwas mehr. Zwischendurch bin ich dermaßen gelangweilt, dass ich kurz rechts ranfahre und mein am Morgen im Supermarkt erworbenes Kartenspiel mit erotischen Darstellungen antiker Tonkrüge durchblättere. Das mindert die Langeweile leider jedoch nur in Maßen und so mache ich mich zurück auf die Straße.

Endlich in Heraklion angekommen dauert es nur wenige Minuten, bis mir ein junger Grieche mit einem noch kleineren Wagen als dem meinen in meinem rechten Außenspiegel fährt. Ich blicke ihn skeptisch durchs offene Fenster an. „No worry, my friend“, ruft er, und verschwindet mit Vollgas zwischen zwei LKW. So kann man die Dinge tatsächlich auch handhaben. Ich checke kurz den Spiegel, er hat nur einen Kratzer abbekommen.

Hinter Heraklion liegt Kretas größter Publikumsmagnet: Knossos. Diesen kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Da es unfassbar heiß ist, trinke ich im angrenzenden Café noch einen Frappé und lese noch zwei Kapitel im Murakami. Seine verzwickte Liebesgeschichte hat mich nun wirklich komplett in ihren Bann geschlagen.

Kreta Tagebuch August 2015 - Kreta Knossos

Knossos

Knossos, das muss man ihm lassen, ist doch deutlich beeindruckender als Festos. Das liegt zum Einen an der schieren Größe der antiken Palastruine, vor allem aber auch daran, dass man einzelne Teile des Palastes nachgebaut hat. Nennt mich einen Banausen, aber ich persönlich finde es auf diese Weise tatsächlich viel leichter, mir vorzustellen, wie dieser Palast damals ausgesehen hat.

Vor wie vielen Jahren – 6000?! So was kann einem auch wirklich nur in Griechenland passieren!

So nett ich Knossos auch finde, entscheide ich mich schließlich doch dagegen, noch 12 Kilometer weiter zur nächsten Ruine zu fahren. Ich habe noch zwei Stunden bis Abflug und der Sinn steht mir eher nach etwas Handfestem, nach dem Hier und Jetzt. Außerdem ist es heute einfach eine Spur zu heiß für Hochkultur.

Noch ein letzter spontaner Ausflug

Und so biege ich erneut auf die Autobahn und fahre einfach noch ein paar Kilometer die Küste weiter. Wasser, Fische, Bier – so ungefähr könnte man den Plan zusammenfassen, den ich mir gerade zurechtgestrickt habe.

In Karteros bekomme ich all das. Auch wenn die Kellner allesamt schon dermaßen alt sind, dass ich erst lange auf mich aufmerksam machen muss, bevor mich einer bemerkt. Doch dann gibt es ein kühles Bier und einen Berg voller frittierter Sardinen mit dem üblichen rustikalen Brot. Wundervoll!

Danach weiß ich nicht genau, ob mir das Bier zu sehr zu Kopf steigt, oder ob ich mittlerweile komplett in den Irrsinn von Murakamis Geschichte eingetaucht bin. Dort werden fast alle nach und nach wahnsinnig, und genauso fühle ich mich nun auch. Die Tatsache, dass der eine der verwirrten Kellner eine Viertelstunde braucht, um mir das Wechselgeld zu bringen, trägt nicht gerade zu meiner geistigen Verfassung bei.

Daher gibt es nur eine Lösung: Ab ins Wasser, auch wenn ich nachher im Flugzeug noch so kleben sollte!

Mir wird klar, warum hier im Norden die Bettenburgen errichtet wurden, während es im Süden so viel gemächlicher zugeht. Der Sand hier ist viel feiner, die Wellen sanfter. Und daher ist hier auch gleich mal eine Menge mehr los. Der andere Wermutstropfen: Alle paar Minuten fliegen einem hier die großen Flieger direkt über den Kopf.

Das Bad in den kühlen Wellen hat mich wieder aufgeweckt. Ich packe noch schnell alles um und ziehe mir ein neues Hemd an. Dann fahre ich zurück zum Flughafen.

Nach einem Eincheckprozess, den man doch als langwierig bezeichnen könnte, lerne ich beim Rauchen Mike kennen: halb Engländer, halb Grieche, aufgewecktes Bürschchen mit Verwandtschaft auf der Insel. Er erzählt mir, dass man die Krise hier schon deutlich spüre. Auf der anderen Seite gehe es den Griechen ja im Grunde schon seit Jahren schlecht, jetzt eben noch mal ein bisschen schlechter, was eigentlich nicht weiter ins Gewicht falle. Doch das A und O hier auf dem Land ist die gegenseitige Hilfe und die Tatsache, dass jeder sein eigenes Gemüse anbaut. So kann es hier gar nicht wirklich schlimm werden.

In meinen letzten Minuten auf der Insel beende ich das Murakami-Buch. Nun sind wirklich fast alle verrückt geworden oder haben sich umgebracht, doch auf gewisse Weise gibt es auch ein Happy End. Darüber freue ich mich dermaßen, dass ich fast den letzten Aufruf für meinen Flieger nach Leipzig überhöre. „Quick now“, sagt die freundliche Frau vom Bodenpersonal und scheint mir dazu einen anspornenden Klaps geben zu wollen. Ich muss grinsen. Das waren wirklich ein paar schöne Tage hier! Wahnsinnig gutes Essen, herzliche Menschen und eine Menge beeindruckender Landschaften. Efcharisto (danke), Hellas!

 

Und HLX sagt vielmals Danke an Marco von www.life-is-a-trip.com für diesen wundervollen Kreta-Bericht!

Kreta Tagebuch August 2015 - Marco

Marco von www.life-is-a-trip.com

  • Danke für deine wunderbaren Eindrücke von Kreta. Eigentlich schade, dass du die andere Seite ausgelassen hast. In einer Woche sieht man zwar viel, aber beileibe nicht alles von dieser riesigen Insel. Aber vielleicht fährst du nochmal auf diese wunderschöne Insel und erkundest den anderen Teil genauso. Auch dort gibt es kleine unberührte Buchten und Insulaner, die „xenophilia“ leben.