Alte Ruinen, Red Beach und gefüllte Zucchini-Blüten

Nach einem ruhigeren Tag bin ich heute wieder bereit für neue Erkundungen. Ich bin froh, dass ich gestern Abend vernünftig war und zeitig nach Hause gegangen bin. Es geht mir blendend, als ich in die gleißende Sonne trete.

Nach einem ausgedehnten Frühstück, bei dem ich schon mal grob meine Gedanken des letzten Tages in den Laptop hacke, packe ich Sonnencreme und Landkarte, Geld und Ladekabel ein. Das Harukami-Buch wandert ebenfalls in den Rucksack, dann geht es los.

In Timbaki wundere ich mich, nicht zum ersten Mal, darüber, wie die Menschen einfach urplötzlich anhalten und die Warnblinker anwerfen. Offenbar ist das ‚Parken auf Griechisch’….

Am Straßenrand passiere ich mehrmals Kleinlaster voller großer Melonen. Alte Leute sitzen mit einer Waage nebendran und verkaufen ihre Süße Ware an die Menschen.

Mein erstes Ziel ist Festos (Phaistos), ein alter Palast. Bevor ich ihn näher unter die Lupe nehme, muss ich jedoch schnell noch ein Kapitel in meinem Buch verschlingen. Hierfür setze ich mich auf die Terrasse mit tollem Ausblick und trinke eine griechische Limonade. Fast könnte ich hier in der lauen Brise und mit dem meditativen Grillenzirpen im Hintergrund meinen ganzen Tag verbringen.

Kreta Tagebuch August 2015 - Kreta Festos

Ruinen von Festos (Phaistos)

Schließlich reiße ich mich los und laufe durch die Ruinen des Palastes. Ich muss schon sagen, dass man eine Menge Fantasie braucht, um diesen vor seinem geistigen Auge zu neuem Leben zu erwecken. Denn im Grunde stehen nur hier und da ein paar Mauerreste rum. Dazu habe ich mir clevererweise auch noch die heißeste Zeit des Tages ausgesucht, die Sonne steht im Zenith. Und so mache ich den Besuch kurz, um nicht den Verstand zu verlieren.

Von der Ruinen zur Flower Power

Zurück im Auto bewegt mich die Musikauswahl der Zufallsfunktion mal wieder, einen mir unbekannten Weg einzuschlagen. DJ Random, wie ich ihn gerne nenne, spielt aber auch schon den ganze Tag nur Hits und hat mich richtig euphorisch gemacht! Die einsamen Straßen und die wundervolle Umgebung tragen noch ihren eigenen Teil dazu bei.

Der immer kleiner werdende Weg führt mich einmal den Berg rauf und auf der anderen Seite wieder runter. Am Ende steht eine weitere Ruine, die Agia Triada. Ich kann jedoch schon vom Hügel aus sehen, dass die Sache sich hier ähnlich verhält wie in Festos, und so spare ich mir das Erkunden.

Kreta Tagebuch August 2015 - Kreta Matala Flower-Power

Flower Power in Matala

Es geht zurück nach Matala. Diesmal will ich etwas mehr von der berühmten Hippie-Enklave sehen als nur den Strand. Das Dörfchen selbst hat wirklich Charme und aus allen Winkeln dünstet noch die Hippie-Vergangenheit. Im Sinne von duften, versteht sich. Läden mit handgemachtem Schmuck, verzierte VW Käfer, Batiktücher, und sogar noch ein paar Menschen, die so aussehen, als seien sie schon seit den 60ern hier. Es gibt erstaunlich viele Cafés, die alle geschmackvoll gestaltet sind und viele schattige Plätze bieten. Ich suche mir eine kleine Snack-Bar an der Hauptstraße und bestelle mir ein Gyros Pita. Ich muss mich stärken für das, was ich jetzt noch vorhabe. Das simple Gericht, das man wirklich überall in Griechenland findet, ist einfach nur lecker.

Über den steilen Hügel am Ostende der Bucht führt ein winziger Wanderweg. Gutes Schuhwerk hatte man mir empfohlen. Und so habe ich mal vorsichtshalber die Flip Flops ausgezogen und bestreite den Weg stattdessen barfuß. Es geht steil bergan und jede Ecke belohnt mich mit neuen Ausblicken auf den Strand und die Hippie-Höhlen, die ja lange vor der Flower-Power-Zeit bereits als minoische Grabstätten dienten.

Die Sonne knallt vom Himmel und ich passiere ein paar gewichtigere Menschen, die offensichtlich bereits mit dem Gedanken spielen, ihren Ausflug schon vor dem Gipfel abzubrechen. In mir jedoch erwacht eine neue Energie und ich springe barfuß von Fels zu Fels wie eine junge Berggams!

Baden am Red Beach

Oben angekommen kann man den Red Beach bereits sehen. Das hat sich doch gelohnt, würde ich sagen! Idyllisch schmiegt sich der unbebaute Strand in die weit geschnittene Bucht. Die Wellen brechen mit weißen Schaumkronen. Ich brauche noch eine Viertelstunde, bis meine Sohlen den heißen Sand dieses wunderschönen Strandes berühren.

Kreta Tagebuch August 2015 - Kreta Matala Red Beach

Laden in der Nähe des Red Beach

Wirklich leer ist es hier auch nicht, aber der Red Beach versprüht sofort eine komplett andere Atmosphäre als die Strände, die ich bisher gesehen habe. Irgendwie ursprünglicher, irgendwie mehr Hippie als sonstwo. Und tatsächlich bemerke ich, als sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt haben, dass die meisten Menschen hier komplett nackt schwimmen. Der Strand zieht ein deutlich alternativeres Klientel an. Man sieht viele lange Haare und Tätowierungen aus wilden Zeiten. Es gefällt mir hier.

Ich lege mich neben ein sympathisches Pärchen, das mit ihren beiden Hunden in den hohen Wellen badet. Kaum habe ich mich ausgezogen, bin ich auch schon reif für ein erstes Bad in der Brandung. Herrlich.

Ich scheine der einzige zu sein, der sich keinen Sonnenschirm mitgebracht hat, und so brutzele ich in der Sonne vor mich hin, während Haruki Murakami mich auf ein Neues in fremde Welten entführt. Um mich herum überall nahtlos gebräunte und ästhetische Leiber, vermutlich von viel Yoga und organischer Ernährung in Form gehalten.

Nach dem vierten Bad in den wirklich fantastischen Wellen, und nachdem ich ebenfalls zum vierten Mal wieder komplett durchgeschwitzt bin, ziehe ich mich in die einzige Bar am Strand zurück. Ich hatte fürs Erste genug Sonne.

Yannis Mojito Bar ist ein Ort wie aus einem Märchen. Eine alte Betonhütte, verziert mit allerlei Krimskrams und einer Terrasse mit einem Sonnensegel. Zwischen den Tischen sucht ein zahmes Schaf mit Glocke nach Essensresten und reibt seinen Kopf an ein paar Touristen, die es besonders gerne hat. Der alte Yannis rührt unterdessen im spartanischen Raum einen Mojito nach dem nächsten, aus dem Transistorradio wabert dazu leise Bob Marley. Fast alle Gäste sehen so aus, als würde ihr Leben immer genau so aussehen wie jetzt gerade. Guter Dinge geselle ich mich zu ihnen und Yannis macht mir einen Frappé.

Doch nach einer halben Stunde in dieser Oase ist es auch schon Zeit, den Rückweg anzutreten, denn ich habe noch einen Termin.

Leicht rot und mit einem Schweißfilm überzogen erreiche ich nach einer halben Stunde Klettertour wieder Matala. Da die beiden Damen im Pita-Imbiss vorhin so nett waren, kehre ich dorthin zurück. Fünf Minuten später klingelt mein Telefon. Ich bin für ein Interview live im RBB-Radio, man möchte Tipps von mir, wie man die Hitze in Berlin überstehen kann. Das Interview läuft so lange gut, bis ich fast von einem Moped erfasst werde. Ich stelle mir kurz vor, wie sich das in Berlin im Radio wohl angehört hat, überspiele die Situation aber, als wäre nichts passiert.

Nach dem Interview möchte ich mein Alpha-Bier bezahlen, aber die Chefin hat kein Kleingeld und ich nur einen Schein. Sie sagt, ich solle einfach irgendein anderes Mal bezahlen. Ich bin jedoch ohnehin euphorisiert und so kaufe ich mir nebenan noch schnell eine pinke Sonnenbrille. Mit dem Wechselgeld kann ich meine Rechnung begleichen und die Wirtin grinst von Ohr zu Ohr.

Es ist zwar schon spät geworden, aber ich möchte noch ein Stück weiter die Küste hoch. GoogleMaps empfiehlt mir eine weitläufige Umgehung der Berge, aber das ist mir gleich zu langweilig. Stattdessen biege ich rechts ab auf eine Staubpiste. Und diese wird tatsächlich von Minute zu Minute schlechter. Das Fahren macht jedoch großen Spaß! Ich jage den Panda durch die rutschigen Kurven, zu einer Seite der Piste gähnt der Abgrund. Im Rückspiegel sehe ich eine Wand aus Staub.

Nach einer Weile öffnen sich die Berge wieder und geben noch mehr malerische Küste frei. Gleich im ersten Örtchen Kali Limenes halte ich, und laufe ein wenig den Strand entlang. Hier gehen die Uhren noch mal ein ganzes Stück langsamer. Die Leute haben ihre Zelte direkt am Strand aufgeschlagen, einige bereiten gerade Feuer vor, um darauf ihren Fisch zu grillen. Zwar ist der Strand selbst hier keine Schönheit, doch versprüht er eine Stimmung, als würde man sich außerhalb der Zeit bewegen.

In der angrenzenden Taverne sitzen ein paar alte Griechen, trinken Eiskaffee und scherzen miteinander. Ich setze mich dazu und lese für eine Weile. Gerne möchte ich die Leute fragen, wie sie die ganze Sache mit der Krise sehen. Aber hier spricht nun wirklich niemand mehr Englisch.

Night-Life auf Kreta  –  weiter geht´s

Auf dem Rückweg bin ich einigermaßen erschöpft. Und doch schon wieder sehr zufrieden mit dem, was ich heute alles erlebt habe. Kreta bietet wirklich so viel Unterschiedliches auf kleinstem Raum, dass man sich schon echt anstrengen muss, damit einem langweilig wird.

Kreta Tagebuch August 2015 - Gefüllte Zucchini Blüten

Gefüllte Zucchini-Blüten

Nach einer kurzen Dusche laufe ich wieder den mittlerweile vertrauten Weg ins Dörfchen. Diesmal möchte in der Taverna Miros essen, die mir so wärmstens empfohlen wurde. Und tatsächlich finde ich noch ein Plätzchen oben auf der offenen Dachterrasse. Doch es kommt noch viel besser: Als ich, wie mittlerweile schon üblich, meinen Zettel präsentiere, auf den mir die Rezeptionistin vom Irini Mare die griechische Bezeichnung für gefüllte Zucchini-Blüten geschrieben hat, nickt der Kellner: „Of course!“ Die lange Suche hat sich ausgezahlt!

Die mit Reis gefüllten, zarten Blüten schmecken raffiniert. Dazu gibt es hausgemachtes Tsatsiki. Ich begleite diese kretische Spezialität mit einem leckeren Retsina.

Kreta Tagebuch August 2015 - Muscheln im Sud

Muscheln im Sud

Zum Hauptgang esse ich Muscheln in einem dermaßen leckeren Sud, dass ich am Ende noch den ganzen Topf mit Brotstücken austupfe. Danach gibt es noch eine leckere Süßigkeit und den obligatorischen Grappa aufs Haus.

Ich schaue noch kurz im Amphitheater vorbei, in dem gerade ein Theaterstück aufgeführt wird. Leider jedoch auf Griechisch, wovon ich vermutlich nicht so viel hätte.

Kreta Tagebuch August 2015 - Bar Miros

Bar Miros

Ich mache noch einen kleinen Abstecher in die Bar Miros, von der ich gehört habe, dass sie Heinz‘ Blue Bar in nichts nachsteht. Tatsächlich ist das Interieur dermaßen verspielt mit all seinen Fotos und Artikeln zu den großen Musikern der 60er und 70er, dass man erst mal lange was zu gucken hat. Leider bin ich aber wohl noch etwas zu früh dran, denn der Laden ist fast leer. Ich entschließe mich für einen Rückzug.

Als ich auf dem Rückweg am Minigolfplatz von Karolos vorbeikomme, ducke ich mich vorsorglich hinter die Hecken. Wenn die beiden mich jetzt entdecken, komme ich hier wieder stundenlang nicht weg…

An der Hotelbar lerne ich Markus aus Hamburg kennen. Er ist mit seiner Frau und drei Kindern für zwei Wochen hier und bereits nach der ersten Woche sehr entspannt. Er sagt jedoch, dass sie im Vorfeld schon ein paar Mal Zweifel gehabt hätten, als die Nachrichten gerade so schlecht und Air Berlin auch noch im Streik war. Aber nun genießen sie jede Sekunde vor Ort, er grinst:

„Besonders die ausgiebige Kinderbetreuung im Hotel“

Doch selbst diese muss irgendwann zu Ende gehen. Und so verabschiedet sich Markus schließlich, um seinen Jüngsten ins Bett zu bringen. Ein gutes Stichwort für mich, um für heute ebenfalls zeitig die Segel zu streichen. Das Zirpen der Grillen ist mir wie bereits die Tage zuvor ein sehr effizientes Schlaflied.

Gastautor: Marco Buch vom Blog Life is a trip