Angekommen auf Kreta und los geht´s

Der Flieger berührt unsanft die Landebahn, die Passagiere klatschen trotzdem. Sie zeigen einander aufgeregt die hübschen kretischen Hügel, die man nun aus den Fenstern erspähen kann. Viele testen schon mal den Sitz ihrer Sonnenbrille. Vorfreude. Wir sind soeben auf der ‚Perle des Mittelmeers‘ gelandet.

Der Blick vom Gepäckband geht direkt aufs Meer hinaus und man möchte nun wirklich keinen Moment mehr länger warten. Die Poster in der Wartehalle zeigen allesamt leckere kretische Spezialitäten und ich bekomme umgehend Hunger.

Als ich aus dem Flughafen trete, umarmt mich die kretische Wärme mit Leidenschaft. Ich ziehe mir aus einem Automaten ein eiskaltes Wasser für unschlagbare 30 Cent. Dann beobachte ich, wie die Touristengruppen aus Deutschland, Holland und Israel von hübschen, lächelnden Griechinnen mit Abholschildern in Empfang genommen werden.

Kreta Tagebuch August 2015 - Cafe in Heraklion

Café in Heraklion

Mein Mietwagen ist ein süßer, kleiner Fiat Panda in weiß, die Damen bei der Vermietung sprechen fließend Deutsch und reißen Witze. Gepäck in den Kofferrau, Fenster runter, Musik an, und los geht’s! Als erstes fallen mir die Zikaden auf, die hier in ohrenbetäubender Lautstärke zirpen, und damit sogar meine Musik übertönen.

In Heraklion mache ich eine kurze Pause an einem Café. Die Verkäufer lächeln und schenken mir zum stark gesüßten Kaffee noch eine Flasche Wasser. Auf der angrenzenden Straße herrscht geschäftiges Treiben.

Fahrt nach Agia Galini und Hotel Check-In

Dann geht es in die Berge der Insel, denn ich will zur gegenüberliegenden Küste im Süden. Neben anderen Mietwagen, staubigen Pick-Ups und ein paar schwerbeladenen LKW arbeite ich mich entlang der Bergstraßen in Richtung Agia Galini vor. Die Fahrt dauert länger als gedacht, belohnt mich aber dafür mit einigen tollen Ausblicken. Besonders hübsch am Straßenrand: Die vielen Kirchen.

Kreta Tagebuch August 2015 - Taverne

Erfrischung in Taverne

In Agia Galini genehmige ich mir in der Taverne eines Campingplatzes ein Alpha-Bier. Die Bar ist toll gestaltet und fügt sich harmonisch in die wundervolle Natur mit ihren rosa Blüten, staubig grauen Felsen und sattgrünen Palmen ein. Der bärtige Wirt ist die Ruhe selbst und lächelt verwegen. Im Pool planschen ein paar Leute, an den Tischen im Schatten spielt man Backgammon. Es ist nun Mittag und die Hitze steht.

Ich checke ein im Hotel Irina Mare und werde sehr nett auf deutsch empfangen. Die Rezeptionistin Hajat hat bulgarische Vorfahren, ist aber in Berlin Pankow aufgewachsen. Ich frage sie, ob man die Krise hier bemerkt. Sie erzählt mir, dass das Hotel ausgelastet ist und alle Gäste sehr zufrieden wirken. Es gibt für Touristen auch keinerlei Einschränkungen. Ganz im Gegensatz zu den Einheimischen. Hajat kann immer nur sehr kleine Mengen Geld abheben, was etwa das Bezahlen der Miete sehr aufwändig macht. Auslandsüberweisungen kann sie überhaupt nicht mehr tätigen, nicht mal über läppische 30 Euro. Trotz allem ist sie guter Dinge. Sie will vor allem, dass ich so viel wie möglich von ihrer schönen Insel sehe und verspricht, mir ein paar Dinge vorzubereiten. Ich vertilge im Garten des Hotels eine leckere griechische Platte und trinke danach einen starken Kaffee. Dann zeigt man mir mein brandneues Zimmer, das sogar über einen eigenen Pool verfügt!

Kreta Tagebuch August 2015 - Hotel Irini Mare

Hotel Irini Mare – Zimmer mit Pool

Doch momentan brauche ich nichts außer ein wenig Schlaf. Die letzte Nacht war kurz, da ich von Leipzig aus geflogen und schon um Mitternacht in Berlin aufgebrochen bin.

Der erste Ausflug steht an!

Als ich wieder aufwache, dusche ich kurz und genieße dann den Ausblick auf den Hafen von Agia Galini. Schnell schnüre ich mein Bündel und schalte um auf Erkundungsmodus. Ich will noch heute etwas sehen von Kreta!

An der Rezeption überreicht mir Hajat eine Landkarte, auf der sie alle wichtigen Sehenswürdigkeiten markiert hat. Dazu gibt sie mir noch einen Crash-Kurs in griechischer Mythologie. Perfekt!

Kreta Tagebuch August 2015 - Tankstelle ShellAuf meinem Weg in Richtung Süden checke ich mal kurz, wie die Tanksituation so aussieht. Man hat ja im Vorfeld allerhand Horrorgeschichten gehört. Doch hier gibt es im Grunde eine Tankstelle an der anderen, und alle haben regulär geöffnet.

In Kalamaki sind die Menschen allesamt entspannt und braungebrannt, Einheimische wie Touristen. Um diese Zeit sitzen sie in den Tavernen an der Promenade und essen griechische Salate und Fisch oder genießen den Blick aufs Meer bei einem Eiskaffee, der in ganz Griechenland nur Frappé genannt wird. Ich entdecke am Rande des Geschehens das gemütliche ‚Avra‘, eine Taverne aus blaugestrichenem Holz mit perfekten Ausblick, und gönne mir ebenfalls einen Frappé.

Kreta Tagebuch August 2015 - Kalamaki

Taverne Avra in Kalamaki

Bei einem Spaziergang am Strand stelle ich fest, dass ich hier auf Kreta ohne Flip Flops vermutlich nicht auskommen werde. Auf der gemütlichen Hauptstraße, wo viele kleine Läden handgemachte Souvenirs zum Kauf anbieten, finde ich ein Geschäft, das Flip Flops führt. Ich frage die Verkäuferin, ob dieses Jahr etwas anders ist. Sie sagt, dass die Saison tatsächlich  schlecht begonnen hat, die Situation sich jetzt aber gefangen hat. Trotzdem kann sie nicht verhehlen, dass alle hier unter der Krise leiden. Doch sie sagt, dass sie auch Freunde in Frankreich und Deutschland hat, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. So oder so, sie lässt sich nicht unterkriegen:

„Sometimes it goes up and sometimes it goes down, that’s just the way it is!“

Dabei lächelt sie kampfbereit. Ich wünsche ihr viel Glück und springe wieder in meinen Panda. Wieder geht es über die kurvigen Straßen, vorbei an vielen Miniaturkirchen, die man für Verkehrsopfer an den Straßenrand gebaut hat.

Kommos Beach wirkt noch geradezu unberührt, und scheint auch eher ein alternatives Publikum anzuziehen. Ich habe jedoch gehört, dass man hier nicht mehr wie früher am Strand schlafen kann, da hier nun die Meeresschildkröten ihre Eier im Sand ausbrüten. Stattdessen schlagen die freiheitsliebenden Reisenden ihre Zelte nun in den angrenzenden Dünen auf.

Die (Hippie-) Höhlen von Matala

Ich treffe Nina und Philipp aus Freiburg, die bereits seit zwei Wochen mit ihren Fahrrädern auf der Insel unterwegs sind. Die Beiden sind vor allem verblüfft darüber, dass, egal wo sie abends auftauchen, die meisten Tavernen leer bleiben. Auch haben sie schon Zimmer für die Hälfte angeboten bekommen, da die Vermieter sie sonst momentan gar nicht loswerden. Doch Philipp ist begeistert von der Gastfreundschaft der Kreter. War es ihm am Anfang noch fast unangenehm zu sagen, dass er aus Deutschland kommt, ist ihm nun klargeworden, dass die Leute hier sehr klar unterscheiden können zwischen der deutschen Regierung und den normalen Menschen aus Deutschland. Er erzählt, wie er schon mehrfach Werkzeug für sein Fahrrad geschenkt bekommen hat.

Noch einmal besteige ich meinen Mietwagen, denn ich will noch ein kleines Stückchen weiter, und zwar ins einstige Hippie-Paradies der Insel. Matala sieht heute noch mal etwas anders aus als bei meinem letzten Besuch 1999. Die berühmten Höhlen, in denen neben vielen anderen Hippies sogar Cat Stevens und Bob Dylan kurzzeitig gelebt haben sollen, kosten heutzutage Eintritt. Der Strand selbst ist jetzt weitläufig bedeckt mit Liegen. Und doch ist es irgendwie immer noch nett hier. Neben Deutsch hört man hier auch viel Russisch, Italienisch und Hebräisch.

Kreta Tagebuch August 2015 - Matala

Höhlen von Matala

Ich stakse ein wenig durch die Höhlen und versuche mir vorzustellen, wie wundervoll das Leben hier in den 60ern gewesen sein muss, als es noch nicht mal eine ausgebaute Straße hier runter gab. Nackt schwimmen, selbstgefangenen Fisch essen, und abends noch ein Liedchen mit Bob auf der Gitarre anstimmen, bevor man sich dann in der kühlen Höhle zum Schlafen legt. Hach…

Dann setze ich mich in eine Strandbar und lausche einer dreiköpfigen Band, die dermaßen traurige, griechische Songs zum besten gibt, dass mir schon bald die Tränen in den Augen stehen.

Auf dem Rückweg durch die Berge gabele ich zwei Anhalterinnen auf, Studentinnen aus Thessaloniki. Leider sprechen sie nur wenig Englisch, daher müssen wir uns mit Zeichensprache verständigen. Wir lachen viel. Die Fenster des Panda stehen noch immer weit offen. Es wehen Aromen von Olivenbäumen und Pinien herein. Schon ziemlich schön hier!

Der erste Abend – Essen & (Raki-) Trinken ohne Party

Zurück in Agia Galini werfe ich mich in Schale und schlendere dann in Richtung Strand. Hier liegt eine Taverne neben der anderen. Alle sind geschmackvoll eingerichtet und haben verlockende Speisekarten. Aber tatsächlich ist in kaum einem der Läden etwas los.

Ich laufe noch weiter bis zur Klippe. Im Alikes, mit einem fantastischen Ausblick auf die Bucht, kehre ich schließlich ein. Ich vertilge ein Kaninchen in Weißweinsauce, dazu Retsina und Knoblauchbrot. Rustikal und unglaublich lecker! Nach dem Bezahlen der Rechnung gibt es noch Raki aufs Haus.

Kreta Tagebuch August 2015 - Agia Galini

Mehrstöckige Taverne in Agia Galini

Danach schaue ich mich noch mal im Dörfchen jenseits der Klippe um. Hier ist nun doch einiges los. Bars, Restaurants, Cafés, Souvenirgeschäfte. Besonders toll finde ich die Tavernen, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken, und alle über Dachterrassen verfügen. In den kleinen Gassen mampfen zufriedene, sonnenverbrannte Gesichter riesige Eisbecher mit Waffeln und Früchten.

Auf dem Rückweg stoppe ich noch kurz beim Minigolfplatz am Strand. An der zugehörigen Bar läuft Balkan-Musik und ein paar junge Leute unterhalten sich. Kostas, der Barbesitzer, lädt mich auf einen weiteren Raki ein und erzählt, dass es bei ihm am Tag zuvor eine große Party gab. Die Österreicherinnen am anderen Ende der Bar pflichten ihm bei und sagen lächelnd, dass sie noch immer ihre Wunden lecken.

Ich bin froh, dass es an diesem Abend keine Party gibt, denn ich bin zwar rundum glücklich, aber auch einfach nur erledigt vom langen Tag mit diesen vielen Eindrücken. Und so sage ich ‚Kalinychta‘ und ziehe mich in meine moderne Version einer Hippie-Höhle zurück.

Gastautor: Marco Buch vom Blog Life is a trip